Mondo

das Magazin für nachhaltiges Reisen
über Land und Wasser

21.12.2020 

Neu mach die Welt…

Und ich sitze hier auf unserer grasgrünen Couch im Wohnzimmer neben dem Holzofen, starre auf unseren wundervoll bewachsenen Balkon dank schöner Kletterpflanzen und dahinter schimmern Palmen.


Es ist Anfang Dezember. Ich bin in einem kleinen Ort in Griechenland, eine halbe Stunde von Athen entfernt, in meiner WG. Ein kleines gemütliches WG-Haus mit Garten besser gesagt, welches ich mir mit zwei anderen Freiwilligen teile. Wir arbeiten gerade im selben Permakultur-Projekt mit, um so tief wie nur möglich in Erde zu tauchen, in ein neues Universum einzutauchen, jedes nur nötige Wissen einzusaugen, um ein wenig an Entfremdung zur Natur zu verlieren. Ich denke. Frage mich, ob ich für Weihnachten heim nach Deutschland reisen soll. Über Land. In meinem Kopf fügen sich in sekundenschnelle Bilder zu Geschichten zusammen und mein geografischer Atlas in mir drin zu wunderschön übergreifenden Routen ohne Grenzen. Mein explosives Glücksgefühl und die ungebändigte Reise-Vorfreude sprudeln nur so in mir. Ja! Jawoll! Ja… Und da kommt der Verstand zurück. Und ich realisiere wieder, was ein Lockdown ist. Gruselig, wie vertraut und selbstverständlich das Wort schon erscheint. Mein Traum einmal die Balkan Route über Land von Griechenland nach Deutschland zurückzulegen löst sich in unlösbaren Komplikationen auf. Und dann kommt die Unfassbarkeit. Wie? Es ist nicht möglich? Und die Unfassbarkeit und mein Realitäts-Verstand geben sich ein Battle. Als ein Mensch, welcher in einem „freien“ Europa geboren wurde, und ständig nur so über Grenzen hinweg geflogen ist, erscheint es wie ein Gefängnis. Wie eine neue surreale Traumwelt, aus der man bald wieder aufwachen darf.


Vor einem Jahr war ich jetzt in Spanien. Habe so ziemlich das gleiche getan wie grade: harmonisch in der Erde gewühlt und versucht das Gärtnern mehr zu verstehen. Damals sind wir mit offenen Herzen trampend umhergezogen, ohne Maske in der Bauchtasche, ohne Kontroll-SMS schreiben beim Haus verlassen, ohne Angst vor irgendeiner Geldstrafe, wenn dich Cops beim gemütlichen Kaffeetrinken am Strand erwischen, nur weil du grade einfach nur mal denken und aufs Meer starren willst, anstatt Sport zu treiben oder einzukaufen. Damals war freudenerfülltes Lachen teilen auf der Strasse noch möglich und herzliches Umarmen zwischen wildfremden Menschen, die nicht deine Sprache sprechen, ohne körperliche Distanz und respektvolles Abstandhalten. Heute muss man froh sein, wenn man ausserhalb der eigenen vier Wände noch ein paar Gefühle bei anderen Menschen an den Augen ablesen kann. Okay, ich übertreibe. Aber die Tendenz..


Wär jetzt letztes Jahr, würden wir in ca. einem Monat behände und problemlos über die Meerenge Gibraltars schippern und mit freudigen Armen in Marokko empfangen werden. Minzgeruch einatmen. Und die Süsse der Datteln auf unser Zunge zergehen lassen. Wir würden anderen vorschwärmen, und stolz berichten, dass wir es geschafft haben über Land und mit Fähre nach Afrika zu reisen, ohne ein einziges Mal ein Flugzeug bestiegen zu haben. Wie? Kontinente über Land überwinden? Wirklich? Das ging damals noch? Ja…

Und jetzt steht unser MONDO-Magazin mit dem neuen Namen „Querweltein“ in den Startlöchern, wird grade beim Knesebeck-Verlag durch die letzte Korrekturrunde geschickt und will nach 1 1/2 Jahren Wartezeit endlich gedruckt werden. Will in den Bücherregalen der Buchläden ganz Deutschlands stehen und von Freiheit erzählen. Von umweltfreundlicherem Reisen ohne Flugzeug. Von der Schönheit des Gefühls über Grenzen zu fliegen, das Dazwischen zu erleben, und langsame Veränderung zu sehen. Und irgendwie wirkt es plötzlich so lächerlich. Fast schon heuchlerisch. Erzählt fast schon von einer anderen Welt, wie aus einer anderen Zeit.

Und kurzzeitig drehen Kreise der Sinnlosigkeit ihre Bahnen in meinen Gedankenmustern. Ein wenig Trauer überfällt mich, und Sehnsucht. Und plopp. plopp. plopp. Regen fällt draussen, im sonst so trockenen Griechenland. Er schreckt mich wieder auf, aus meiner Negativität, holt mich in die Realität zurück. Zum Lockdown, aber auch zum Optimismus. Hat nicht einmal ein weisser Mensch gesagt: Achte auf deine Träume, denn sie werden deine Gedanken, achte auf deine Gedanken, denn sie werden deine Worte, achte auf deine Worte, denn sie werden deine Taten… so oder so ähnlich? Dann müsste mein Traum einmal die Balkanroute über Land zurückzulegen auch irgendwann in Taten umgesetzt werden können oder? Und alle Träume irgendwann Realität werden? Vielleicht braucht es nur ein wenig Geduld?


Könnte es also sein, dass dieses Buch, welches von uns mit so viel Liebe, Hingabe und Überzeugung gestaltet wurde, einfach genau zur richtigen Zeit kommt, um wieder das Träumen zu wecken? Um wieder ein paar depressive Schnarchnasen wachzurütteln, sie in die Fantasie einer besseren Welt zu entführen und träumerische Pläne zu schmieden? Ist nicht jeder sehnsüchtige Traum, den wir in uns tragen, der Ursprung, für all das, was sich in unserem Leben mit Geduld und Zeit auch manifestiert? Ich glaube irgendwie schon.

Also in diesem Sinne, ihr Lieben, Überlandreise-fanatiker, Flugschamleidende, Ökoradikalos, Hippiebusliebende Aussteiger, oder wie man euch noch immer in Schubladen packen mag..
Lasst den Kopf nicht hängen, wir nämlich auch nicht. Schnappt euch unser Buch, sobald es draussen nach Frühling duftet, und schmiedet Träume und Pläne, lest euren Liebsten Gute-Nacht Geschichten von der nahen und fernen weiten Welt vor, und singt ein Lied auf die altgeliebte Reise-Freiheit, damit sie bald wieder zu uns eilt.

Ich werde wohl mein Weihnachten hier in Griechenland mit Spanakopita, einer leckeren Spinatblätterteigtasche und griechischer Rembetiko-Musik verbringen. Zum Glück keinen Schnee ertragen müssen. Und einen Nachtspaziergang ans Meer machen. Dem Kommen und Gehen der Wellen zugucken und dem Geschrei der Möwen lauschen. Dadurch wieder und wieder zu verstehen, dass alles kommt und geht und nichts bleibt, wie es ist. Dabei hoffnungsvoll trällernd ein neues Mantra namens „Stille Nichta (griechisch für Nacht)“ erfinden und selig die Welt als Einheit sehen. Ja. Klingt doch schön. Ist eigentlich eh viel mehr mein Ding, als ein typisch deutsches Weihnachten. Also. In diesem Sinne. Im positiven Flow bleiben und Pläne schmieden! 🙂

Es drücken euch ganz herzlich eure MONDOS, senden euch Überlandreiseliebe zu
und wünschen euch ein schönes Weihnachtsfest!

Tobi und Pia

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