Mondo

das Magazin für nachhaltiges Reisen
über Land und Wasser

13.03.2020 

„Mit Mut kommt Freiheit.“ – ein Reisebericht über zukunftsfähige Lebensformen

„Ein kreisrunder gelber Ball zerstreut langsam die Wolkendecke, die sich schwadend windet, zwischen den hügeligen Bergketten. Vor mir erstreckt sich eine Weite, die ich gerne fassen würde. Die Landschaft, so endlos, wirkt so surreal und fast wie eine Leinwand. Und dann erinnern mich die Vögel mit ihrem Zwitschern wieder daran, dass das alles echt ist, dass das alles Ursprung und Leben ist. Und ich, als lebendiger Kreislauf, mittendrin. Würde so gerne diese Berge mit meinen Händen anfassen können. Würde so gerne über die Hänge und Wälder mit meiner Hand, wie über eine flauschige Wolldecke streichen können. Würde so gerne jeden einzelnen Wipfel mit meinen Fingerkuppen berühren und streicheln können. Um die Ferne zu überwinden. Um Weite fühlen zu können und die Natur mit meinem Körper und all meinen Sinnen. Ich will keine Distanz mehr, zwischen mir, dem, was meine Augen wahrnehmen und der Natur. Ich will mittendrin sein. Die Natur fühlt sich hier oben wie ein Mensch an, der ein Herz und eine Seele hat, der wunderschön ist und mich anzieht, dem ich nah sein und den ich kuscheln will.
(Burgasé, 12. Okt. 2019)“

Wir sind angekommen, in Burgasé. Einem verlassenen Ruinendorf, weit abgelegen, wild und versteckt in den Wäldern der spanischen Pyrenäen. Dieses Dorf ist nur über eine sehr schlechte, steinige Straße mit Jeep zu erreichen. Die nächste größere Strasse ist 2-3 Stunden zu Fuss entfernt. Keinerlei Zivilisation, keinerlei Infrastruktur. Wenn ich das Nichts beschreiben müsste, wäre es vermutlich dieser Ort. Noch nie zuvor war ich an einem so abgeschnittenen, stillen Fleckchen Erde. Dort oben wollen wir zwei Wochen sein, hineingeworfen werden, in die Welt der Anarchie und Autarkie, um sich in Einsamkeit und Naturverbundenheit zu üben, viel zu gärtnern und zu gestalten.

„Ich starre ins Nichts. Die Natur will nichts von mir. Wie ein leerer Raum, der sich vor mir ebnet. Man könnte fast meinen ich schwebe im Nichts. Ich komme zur Ruhe. Nichts lenkt mich ab, nichts beeinflusst meinen Geist, außer die Stille und das Nichts. Und plötzlich verstehe ich die Welt da draußen nicht mehr. Verstehe die Existenzberechtigung von Stress, Hektik oder Wettlauf nicht mehr. Zeit nimmt neue Formen an. Hier darf sie noch sie selbst sein und Raum um sich herum haben, wird nicht vergewaltigt oder verteufelt. Hier darf sie noch ein harmonisches Gleichgewicht sein. Ein wunderschönes, universelles und friedliches Selbst. Das Nichts darf zurückkommen, darf wieder geboren werden. Danke.
(Burgasé, 15. Okt. 2019)“

Um an solche Orten zu gelangen, sie einzusaugen und zu verweilen, ihre Vielfalt zu erleben und von ihnen zu lernen, um eine eigene Vorstellung von Ideal und Traum zu entwickeln, sind Freia und ich Anfang Oktober losgezogen. Per Anhalter und Zelt Richtung Spanien. Wir wollten herausfinden, wie dieser Wunsch, diese Sehnsucht, unserer Generation, autark und nachhaltiger in Gemeinschaft leben zu wollen, umsetzbar ist. In den linken, alternativen Szenen, in denen wir uns bewegen, träumen so viele davon, sich selbst zu versorgen, das Gemüse und Obst selbst anzubauen, Strom aus Solarzellen zu gewinnen, die eigene Wasserquelle ums Eck zu haben und so wenig wie möglich abhängig vom Staat oder dem System zu sein. Am besten in intakter Natur in kleiner Gemeinschaft mit gleichdenkenden Menschen.
Nur wie? Wie können wir diese Utopie, diesen Traum wirklich leben? Was ist überhaupt nachhaltig, im alltäglichen Leben? Wie kann ich komplett autark leben? Kann ich es überhaupt? Und wenn ja, unter welchen Umständen? Welche Gegebenheiten, welche Faktoren und Fähigkeiten müssen zusammenspielen, um alles möglich zu machen? Wo kann ein Platz dieses unabhängigen Paradieses entstehen und mit wem? Wie groß oder klein sollte die Gemeinschaft sein? Welche Werte, Prinzipien und Werkzeuge der Gemeinschaftsbildung sind von absoluter Notwendigkeit, um eine gut funktionierende Community zu kreieren? Funktioniert dieses Leben auch in kompletter Anarchie?

Zu viele Fragen in unseren Köpfen und die Lösungen und Antworten verstecken sich weiterhin. So brachen wir auf, um selbst Antworten auf diese Fragen zu finden. Unser Plan: Ein halbes Jahr durch Spanien ziehen, um mehr über Permakultur, zukunftsfähige Lebensformen und das Leben in Gemeinschaft zu erfahren.

Hier oben in Burgasé leben meist um die 5 Erwachsene. Als wir da waren, leider nur zwei. Eddie (Name geändert), ein älterer Niederländer, der früher als DJ arbeitete und viele Jahre die Squats in Amsterdam aufmischte, und Danny (Name geändert), ein großer, schlaksiger Schotte um die 30, der schon früh radikal und überzeugt genug war, um mit 24 Jahren in die Wildnis dieser spanischen Pyrenäen zu ziehen.
Die fünf und viele helfende Wwoofer-Hände bauen all ihr Gemüse und Obst selbst an, fermentieren es, lagern es ein, stellen Saucen, Chutneys, sogar Brombeerwein her. Alles wird nach Mondkalender und den Regeln der Permakultur angepflanzt und geerntet. Auch die 2 Esel, die rund 60 Hühner, die 3 Katzen und der Hund, Salvador, leisten ihren erheblichen Beitrag am Funktionieren des Kreislaufwirtschaftens. Seien es nun die Esel als hilfreiche Lastentiere zum Transportieren von Nahrungsmitteln oder die Hühner als Resteverwerter oder glückliche Eierlieferanten. Beide sorgen auch wieder für Mist, essentiell für einen guten Kompost. Auch die Anwesenheit eines Hundes, ist sehr wichtig, so erklärte es uns Eddie, um Wildtiere vom Dorf fernzuhalten, die beispielsweise die Gemüseernte zerstören oder Hühner reissen könnten. Der Strom kommt von ein paar Solarzellen auf dem Dach des Gemeinschaftshauses. Nur dort gibt es Strom, falls die Sonne scheint, nur dort gibt es Licht und den einzigen beheizten Raum, die Küche und das Wohnzimmer, welcher durch einen einfachen Ofen mit Holz beheizt wird. Das Holz wird im Wald nebenan selbst geschlagen. Auch zur Restaurierung der Häuser werden nur heimische Bäume gefällt, ohne elektrische Maschinen, nur mit Machete, geschält und so auch für das Bauen der Dächer verwendet. Sie schlagen und fällen und forsten selbst wieder auf. Vorbildlich. Weit ab von in Reih und Glied stehenden Monokulturen mit schnellwachsenden Fichten. Sie züchten von Jahr zu Jahr mehr, einen heimischen, sich selbst erhaltenden Mischwald heran. Vielfalt statt Einfalt, lautet hier das oberste Gebot. Auch bei der Kompostherstellung. So wird also draußen in Trockentoiletten gekackt und gepinkelt, auch im Winter bei Regen und Schnee. Ein Toilettenhäuschen für den Urin, eines für das große Geschäft. Fein säuberlich getrennt, damit alles für bestimmte Zwecke perfekt eingesetzt werden kann. Nicht nur die menschlichen Ausscheidungen werden verwertet. Alles wird repariert oder recycelt, umgebaut oder angepasst. Stoffreste, Flaschen, Plastiktüten, Samen, Klamotten, Werkzeuge, Türen, Fenster, alles. Der Versuch so gut es geht in Kreisläufen zu wirtschaften und autark und unabhängig zu sein. Auch das Wasser wird nicht eingekauft, sondern kommt von einer Quelle in den Bergen und wird über Rohre in Tanks, Brunnen und in die Küche geleitet. Da kann es schon manchmal vorkommen, dass morgens plötzlich kein Wasser mehr in der Küche ankommt, um sich Kaffee zu kochen. Dann heißt es: Rohre im Wald ablaufen, um den Grund herauszufinden und das Rohr zu reparieren oder zu säubern. Aber daran haben sich Eddie und Danny mit den Jahren gewöhnt. Und sie sind auch gerne bereit dazu. Sie könnten sich kein anderes Leben mehr vorstellen und das spürt und sieht man. Sie haben für sich, ihr Paradies gefunden und sind darin glücklich. Obwohl man 2-3 Stunden nach Hause wandern muss, wenn man sich doch einmal für ein paar Tage in die Zivilisation wagt, oder sich selbst mit Kräutertees oder Tinkturen aus dem eigenen Garten behelfen muss, wenn man krank im Bett liegt oder sich mal in den Finger sägt.


„Dieses abgeschottete Sein hier oben macht mich einsam, lethargisch, unproduktiv. Ich schlafe so viel, wie noch nie in meinem Leben und bin immer noch müde. Mein Bauch rumort und fühlt sich nicht gesund an. Wenn ich nur an Essen denke, wird es mir schon übel. Irgendetwas hier oben lässt dieses Paradies für mich, wie ein Gefängnis erscheinen. Ich kann hier nicht aufgehen wie eine Blume in wunderschöner Natur. Dieses Sein erstickt mich von Tag zu Tag ein bisschen mehr. Mir fehlen Menschen. Mir fehlt Geselligkeit und Austausch. Mir fehlt die Gemeinschaft mit der man tagsüber motiviert zusammen Projekte angehen und umsetzen kann, um dann später am Abend an großen Tafeln den Tag gemeinsam ausklingen zu lassen. Diese Stille erdrückt mich. Alles erdrückt mich. Am liebsten würde ich jetzt meinen Rucksack packen und gehen. Aber wir haben noch eine ganze Woche vor uns. Und ich gerate immer mehr aus meinem Gleichgewicht. Trotz der Stille, der Ruhe und der wenigen Menschen, fehlt mir Zeit für mich. Raum für mich. Schon verrückt, mir fehlt Alleinsein im Einsamsein. Dieser Ort fabriziert seltsame Gefühle.
(Burgasé, 17. Okt. 2019)“

„Irgendwie ist hier alles nur halb. Ich, fühle mich halb. Jeden Tag fehlt irgendetwas. Mir fehlt komplettes Alleinsein oder komplette Gemeinschaft. Hier oben hab ich nichts von alledem. Gemeinschaft kann ich nicht erlangen, nur Alleinsein kann ich mir nehmen. Also tu ich das jetzt!
(Burgasé, 18. Okt. 2019)“

Als wir in Burgasé lebten, war ich immer wieder fasziniert davon, wie windig und anpassungsfähig sie es schaffen autark zu sein. Wie intelligent sie improvisieren, wie mühelos sie verzichten. Das höchste Maß an gelebter Autarkie und Anarchie, wie ich sie mir heute in diesem Zeitalter vorstellen kann. So etwas wie Renten- oder Krankenversicherung besitzt hier keiner, auch einen Kaufvertrag haben sie nie unterzeichnet. Faktisch ist Burgasé also besetzt. Immer mal wieder wagen sich die Behörden oder spanische Polizeibeamte in die abgelegene Enklave, um nach dem rechten zu sehen, aber dulden bis heute die Gemeinschaft. Sie tun ja auch nichts schlechtes. Sie kümmern sich um den Wald, forsten ihn auf, restaurieren die Häuser mit Naturmaterialien, bringen Biodiversität in das komplette Ökosystem und leben friedlich mit und von der Natur.

Aber stopp mal: War da nicht vorher von Kaffee die Rede? Ja, auch hier weiß man noch, was eine Geldmünze ist und so ganz ohne Geld funktioniert auch dieses autarke Paradies noch nicht. Die Burgasé-Bewohner verlassen immer mal wieder für ein/zwei Monate ihre Höhle, um irgendwo arbeiten zu gehen und so das Geld für das ganze Jahr zu verdienen, welches sie für aufwendigere Reparaturen oder Luxusgüter, wie Reis und Nudeln, aber auch für Kaffee, Bier oder Tabak brauchen. Und das alles wird in diesen entlegenen spanischen Wäldern nicht zu wenig konsumiert. Sie wissen wie man radikal lebt, und lieben es so zu leben, in jeglicher Form. Auch die Digitalisierung hat nicht Halt gemacht die schweren Holztüren der Jahrhunderte alten Steinhäuser einzutreten und auch hier oben funktioniert der Alltag nicht mehr ohne mittelmäßiges Internet. Es wird täglich gebraucht, um Dokus anzuschauen oder die Nachrichten 2-3 mal am Tag zu checken, um zu wissen, was in der Welt da draußen so abgeht und politische Entscheidungen zu diskutieren. Oft kam es mir so vor, als würden sie vor allem die Nachrichten hören, um sich selbst wieder bestärkt zu fühlen und sicher zu sein, das richtige Leben zu leben, wieder Mut, Kraft und Überzeugung zu tanken für einen nächsten kalten Winter voller Entbehrungen. So radikal, autark und selbstbestimmt wie möglich. So abgelegen und unabhängig vom kapitalistischen System und der menschlichen Zivilisation wie möglich. Und so nah wie möglich an den natürlichen Kreisläufen der Natur und integriert als Teil von einem großen Ganzen in harscher grüner Wildnis.




Ich betrete unseren Balkon bei Nacht, um Zähne zu putzen, sehe ein paar Sterne über mir und singe „ich seh den Sternenhimmel, den Sternenhimmel, wouhu“ und erschrecke plötzlich. Irgendetwas hat sich verändert, im Hier sein, im Einsam sein, im Nichts sein. Ich sehe die vereinzelten Lichter, die in der Ferne weit unten im Tal Straßen und Zivilisation vermuten lassen und wundere mich nicht mehr, wie wenige Lichter ich sehe. Dass ich sie an meinen beiden Händen abzählen könnte. Und sie mir daher fremd, gruselig und Angst einflössend erscheinen. Zu lange war ich das Lichtermeer von Städten gewöhnt und hatte mich auch an dieses Symbol von Sicherheit gewöhnt. Heute ist glaube ich der erste Abend, an dem ich keine Angst mehr verspürt habe, vor dem Menschenleeren, vor der Dunkelheit der wilden Natur. Ich habe die Existenz der wenigen Lichter nicht mehr wahrgenommen, nicht mehr, als etwas, was anders ist und daher betrachtet und analysiert werden muss. Die Einsamkeit erreichte plötzlich den Status: Normalität und Gewohnheit. Sie ist mir nicht mehr fremd. Und nicht mehr Angst einflössend. Ich habe mich an die Stille und das Nichts gewöhnt und auch an die wenigen Menschen. Ein bisschen weniger als eine Woche hat es gedauert. Erschreckend wenig. Total schön!
(Burgasé, 20. Okt. 19)“

„Wir wagen den steinigen Weg nach draußen. Treten die kurze Reise an, von unserem warmen, behaglichen Gemeinschaftsraum in die Dunkelheit zu unserem Schlafgemach, in einem anderen Gebäude. Plötzlich stößt Freia ein „Woooooooow“ aus. Ich schaue sie an. Sie schaut nach oben. Ich starre ebenfalls nach oben und über uns eröffnet sich ein Sternenmeer. Als würden die Sterne auf uns herabfallen. So nah sind sie. Wie an Leuchtfäden aufgehängt, scheinen sie zu schweben. Ein paar Meter über unseren Köpfen. Und je länger wir hinaufschauen, desto größer und glitzernder wird das Meer. Desto mehr verbinden sich alle Sterne zu einem riesigen Mandala. Verbunden durch samtige Fäden der Milchstraße, die sich so verwunschen durch die Dunkelheit ziehen. Als hätte sich uns plötzliche eine neue Dimension eröffnet. Als hätten wir plötzlich für einen Augenblick mehr die Fäden des Netzes des Universums verstanden und Einblick gewährt bekommen, in die zauberhafte Welt der Unendlichkeit. Und wir wissen wieder, dass es etwas gibt, was bleibt. Noch eine Weile sitzen wir auf unserem Balkon und starren hinauf. Eine Sternschnuppe jagt die nächste, und eine noch längere… bis ich nicht mehr weiß, was ich mir noch wünschen soll und selig meine Augen schließe.
(Burgasé, 21. Okt. 19)“

Ich betrete die gemütliche rustikale Wohnküche mit ihren Holzbalken, um mir Kaffee zu kochen. Der Boden knarzt unter mir, das Nachmittagslicht zerstreut die angenehme Schummrigkeit des liebevoll zusammengezimmerten Wohnraumes und wirft Sonnenstrahlen auf die silberne Alukanne. Man sieht Staub tanzen. Man riecht den erdigen Duft der frisch gesammelten Pilze. Alles schmeckt nach Einfachheit. Nach Reduktion. Meine gesammelten und träumenden Gedanken wachen plötzlich auf, und lauschen. Das Radio trällert mal wieder, in höchster Lautstärke, Tag ein Tag aus, die selben Lieder über Freiheit und Paradiese, über Weltschmerz und Systemkritik. Wie Ohrwürmer. Ich singe mit. Und sie hallen noch schallend lange über die Hügel und Bergketten weit ins ferne Tal hinunter.

Was ist Burgasé für mich? Dieses verwunschene besetzte Dorf im Nichts voller radikaler und idealistischer Gedanken. Hilferuf oder Paradies? Flucht erleben oder Träume leben? Ist dies wirklich eine zukunftsfähige Lebensform, die auch für eine breitere Masse lebbar wäre? Oder ist sie doch schon wieder zu radikal, zu speziell, um wirklich eine Form des Wandels zu mehr Nachhaltigkeit und Naturverbundenheit bewirken zu können?

Vor zwei Wochen kamen wir hier an und die Einsamkeit erschlug uns. Wir konnten nicht fassen wie man hier und so einsam ständig leben kann, wie man diese Stille dauerhaft erträgt, und diese Menschenleere. Heute kann ich das Leben da unten, da draußen, nicht mehr verstehen. Ich fühle mich hier in dieser autarken, einsamen Höhle so wohl, dass ich richtig Angst davor habe in die reale Welt zurück zu müssen. Ach liebes naturverbundenes, einsames Abgeschnitten Sein, du wirst mir ganz schön fehlen.
(Burgasé, 23. Okt. 19)“

Mittlerweile sind wir schon 3 Monate unterwegs, haben viele Menschen mit unterschiedlichsten Werten und Weltanschauungen getroffen, haben viele abgelegene, alternative Orte der Gemeinschaft und des etwas anderen Zusammenlebens kennenlernen dürfen, haben diverse Einblicke bekommen, wie unterschiedlich Heimat gestaltet wird, wie unterschiedlich Menschen ihr individuelles Paradies formen. Und all diese Menschen, so würde ich behaupten, waren glücklich und dankbar. Sie alle haben diese Orte bewusst aufgesucht und sich bewusst dazu entschieden diese nachhaltigere Art zu Leben leben zu wollen. Sei es nun durch den absichtlichen Verzicht auf Luxusgüter, die Entscheidung naturverbundener leben zu wollen, oder so wenig wie möglich Teil eines Systems und gefangen zwischen Grenzen und Gesetzen sein zu müssen. Die Gründe waren so unterschiedlich, wie die Gesichter, die Namen und die Nationalität der Menschen, die sie in Worte verpackten und doch verbindet sie alle eines: das aktive Leben ihres Traumes, das verkörperte Umsetzen ihrer Werte und Ideale, und als Oberstes und Essentiellstes: Mut, Mut und nochmal Mut. Heute kann ich das Zitat, was Jahre lang über meinem Schreibtisch hing, nochmals ganz neu fühlen: „Mit Mut kommt Freiheit.“ Und ich weiß, egal welche Träume und Ideale sich im Geiste formen, man kann nie zu mutig sein, sie auch umzusetzen.
Und wenn ich so zurückschaue, habe ich selbst nach drei Monaten noch keine Lösungen und Antworten auf meine Fragen gefunden, wie wirklich ein zukunftsfähiges Lebensmodell für alle aussehen könnte. Nur Ansätze und Versuche, die die richtigen Wege ebnen, um auf diesen Pfaden zu lernen, um weiter und weiter vorzustoßen, zu den Wurzeln des Essentiellen, um daraus eine nachhaltigere und gerechtere Zukunft formen zu können. Keiner hat die Lösung und es gibt auch keine, auf alle und jeden Ort übertragbar. Wir alle sind experimentierfreudige, kreative Optimisten und realistische Kritiker, die fantasiereich und idealistisch genug sind, um zu wissen, wie ihre Paradiese aussehen können. Wir sind deren Erschaffer. Es liegt an uns, ob wir sie einfach gestalten.

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