Mondo

das Magazin für nachhaltiges Reisen
über Land und Wasser

22.06.2020 

Mit Seil und Haken, unterwegs auf der Schwäbischen Alb

von Heiner Blonski

Heiner in der Route Papperlapapp an der Sirchinger Nadeln

Zum Klettern auf die Schwäbische Alb mit Bahn, Bus und Fahhrrad, das geht gut! Wenn ich alle diese Felstage aus meinem Klettertagebuch für 2019 zusammenzähle komme ich auf 13 Tagesreisen mit dem Zug zur Alb. Da geht noch was!

„Klettern heißt frei sein“. Dieses schöne Zitat von der Kletterlegende Wolfgang Güllich unterschreibe ich sofort. Gemeint ist aus heutiger Sicht die innere Freiheit, die der Gedanken und Gefühle. Dass die äußere Freiheit des Kletterns durch das Wohl der Gesellschaft eingeschränkt wird, hat uns die Covid-Krise klar gezeigt. Im Donautal wurden Felsen gesperrt, es gab einen Appell des DAV aufs Felsklettern zu verzichten. Für die Klimakrise gilt dasselbe: Wer weiterhin Kurztrips nach Kalymnos mit dem Flugzeug unternimmt, wer jedes Wochenende mit dem Auto ins Tessin oder ins Frankenjura fährt, der handelt gegen das Wohl der Gesellschaft, die bereits mitten in der Klimakrise steckt. Er oder sie handelt gegen die Freiheit der Vielen, um seine eigene äußere Freiheit zu verteidigen, die prägnant gesagt so lautet: „Ich will jederzeit klettern wo ich will, wenn der Fels auf der Alb mir nicht gut genug ist, fahre ich ins Frankenjura. Wenn das Wetter am Wochenende zu schlecht ist, nach Arco. Wenn es im Winter kalt ist, fliege ich nach Leonidio.“

Klettern ist Motorsport – dieser Satz gilt. Im mondo-Magazin Blog findet sich im Artikel „von der ligurischen Küste bis an den Atlantik“ von Jasmin das Zitat: „Kletterer. Mit dem Camper unterwegs, klar. Denn was ich nicht wusste, Ligurien ist eine 1a-Kletterregion.“ Es scheint völlig klar: Kletterer sind immer motorisiert unterwegs, Punkt.

Beim Bergsport war schon immer vieles eine Frage von Stil – und wurde auch danach bewertet. Ab jetzt wird im besten Fall der Stil der Anreise in Bezug auf die Minimierung der Treibhausgasemissionen immer mehr in den Mittelpunkt rücken: Mit dem Fahrrad, mit Bus und Bahn, mit dem Segelboot… Möglichkeiten gibt es genug. Die Vollprofis, die genug Zeit für die Anreise haben, da für sie das Klettern der Broterwerb ist, können und sollten hier die wichtigste Vorbildfunktion darstellen! An dieser Stelle möchte ich noch an die berühmte Geschichte von Hermann Buhls Solo Begehung der Piz Badile Ostwand erinnern, bei der eine kletterhistorische Begehung in den Alpen mit einer Fahrradanfahrt verknüpft wurde – die legendäre Anreise von Innsbruck ins Bergell und vor allem auch die Rückfahrt, bei der er der Erzählung nach wegen Sekundenschlaf vom Rad in den Inn fiel, sind im kollektiven alpinen Gedächtnis verankert.

Das Zitat von Wolfgang Güllich geht noch weiter: „Klettern heißt frei sein. […] Klettern ist aufsässige Selbstverständlichkeit und Ausreißversuch aus sterilem Alltag ins Abenteuer.“ In unserer durchgeplanten Urlaubswelt bedeutet dieser Ausreißversuch, mit der Regionalbahn die lokalen Felsen zu erkunden und nicht mit dem standardisierten Billigflug und dem Mietwagen in den warmen Süden zu jetten und dort die angesagten Routen abzuklettern. Vielen Dank an Wolfgang Güllich für diese Worte, lasst sie uns umsetzen! Denn Abenteuer und Freiheit ergänzen sich, der Ausbruch aus dem Reisemainstream ist die Aufsässigkeit des Kletterers im 21. Jahrhundert.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.