Mondo

das Magazin für nachhaltiges Reisen
über Land und Wasser

12.10.2019 

­Von der ligurischen Küste bis an den Atlantik (Teil 1)

Jasmin (23) erzählt in zwei Teilen von ihren Wander- und Wildcamperfahrungen.

Am Busbahnhof. Mailand.

PLANUNG

Interrail. Die Art und Weise des Reisens war schnell klar. Ohne Flugzeug sollte es sein, und da mir ein Auto nicht zur Verfügung stand und ich es ohnehin liebe, im Zug zu sitzen, der Landschaft dabei zuzusehen, wie sie vorbeirauscht (auch wenn natürlich wir es sind, die vorbeirauschen), sie sich verändert, und dabei die Gedanken kreisen zu lassen, war die Entscheidung für eine Zugreise eine leichte. Doch wohin? Vielleicht nach Griechenland. Sich auf die Spuren der Götter begeben, dorthin reisen, wo eine bedeutende Grundsäule unserer Kultur liegt. Ich studierte also die Landkarte. Puh, das würde ein ganz schön weiter Weg werden. Durch Italien durch bis zum Olymp. Und das alles in drei Wochen? Doch reizvoll, die Städte Thessaloniki und Athen. Und dann wäre da ja noch das kleine Grundstück von Bekannten bei Kalamata, das ich besuchen könnte. Doch so ganz alleine als Frau in einem Land, dessen Sprache ich nicht spreche und dessen Alphabet ich nicht einmal lesen kann? Und zudem die etwas instabile Lage hinsichtlich der Flüchtlingssituation gerade um Thessaloniki, die Anfang des Jahres wieder verstärkt in den Medien vertreten war. Die Zweifel, ob Griechenland für dieses Jahr wirklich die richtige Entscheidung sein würde, häuften sich. Da fiel mir zufällig ein Wanderführer zum Zagoria-Trek in die Hände – Zagoria, eine Gemeinde bzw. Gebiet in Nordwestgriechenland mit atemberaubend schöner Felslandschaft und der tiefsten Schlucht der Welt. Wandern. Eigentlich könnte ich doch auch mal wieder wandern. Ich schob den Gedanken jedoch zunächst beiseite.

Nach weiteren Überlegungen beschloss ich dann, meine Reiseroute abzuschwächen und statt nach Griechenland einfach nach Italien zu fahren. Seit meiner Teenager-Zeit war ich nicht mehr in Italien gewesen und die Sehnsucht nach Meer UND Pizza, also guter, richtig guter Pizza, könnte eigentlich dringend mal wieder gestillt werden. Außerdem hat ja auch Italien kulturell jede Menge zu bieten, wovon ich bisher nur Südtirol, die Toskana, die Abruzzen und Rom kannte. Also vielleicht einfach per Interrail durch Italien? Mailand, Pisa, Neapel, Bologna, und vielleicht sogar Venedig. Ich kaufte mir in einem kleinen Secondhandbuchladen einen Italienreiseführer und schlug die erste Seite auf. Ich hielt inne. Wow! Was für eine Landschaft! Wo ist das? Ligurien, stand da. Ich recherchierte. Aha, Ligurien liegt im Nordwesten Italiens, grenzt im Norden an die Region Piemont, im Osten u.a. an die Toskana, im Westen an Frankreich und mündet im Süden in das ligurische Meer. Hauptstadt: Genua. Da wollte ich doch ohnehin immer schon einmal hin. Also wusste ich, wohin ich dieses Jahr reisen würde. Und gleichzeitig fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Warum eigentlich mit dem Zug durch Italien reisen und wieder genau das tun, was man im Alltag ohnehin zu Genüge tat – rumsitzen, in der Stadt leben und konsumieren? Warum fährt man denn in den Urlaub? Um endlich mal Abstand zu gewinnen vom Alltagsleben, was für mich heißt, den ganzen Tag draußen sein zu können, den vollen Tag auszuschöpfen – von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang – und vor allem, sich zu bewegen, sportlich aktiv zu sein, in der Natur zu sein und die Landschaft zu genießen. Und wenn man dabei nicht nur im Grünen wandern gehen, sondern gleichzeitig noch die endlose Weite des Meeres bestaunen kann, dann würde ich sagen: Jackpot! Bei dem Gedanken schlug mein Bauchgefühl Saltos. Also war es abgemachte Sache. Per Zug nach Ligurien und dann Wandern. Und genau so tat ich es dann auch.

REISE

Teil 1: Akklimatisieren

Um 7:28 Uhr saß ich im Zug. Von München über den Brenner und Verona nach Mailand – landschaftlich eine herrliche Strecke, nur schade, dass ich viel zu müde war, um sie richtig genießen zu können. Umstieg in Verona. Na wunderbar! Zugverspätung. Ich gönnte mir erstmal einen Kaffee und stellte gleich mal fest, dass für die Italiener ein Café wohl lediglich ein Espresso ist; dazu ein Stück Focaccia mit Nuss-Nougat-Creme-Füllung. Mmmhh, köstlich! Und nun? Aus 15 Minuten auf der Anzeigetafel wurden 30 Minuten. Ich zückte meinen Ciao-Sprachführer und schlug die erste Seite auf: DAS ALLERWICHTIGSTE. Buon giorno. Buona sera. Kannte ich schon. Prego. Stimmt, das war das Wort für Bitte. Scusi. Basta. Dove? A destra. A sinistra. Sempre diritto. Eigentlich ja gar nicht so schwer, und vor allem sehr ähnlich zum Spanischen. Dann fuhr der Zug ein. Endlich! Ich nahm Platz und gegenüber von mir ließ sich eine ältere Dame nieder. Sie fragte mich etwas, ich sagte, dass ich kein Italienisch könnte, nur Englisch und Spanisch, und schon plauderten wir miteinander auf Spanisch los. Na sowas! Dann lässt es sich in Italien ja mit Spanisch vielleicht doch ganz gut durchkommen.

Bahnhof. Verona.

In Mailand angekommen, suchte ich das Hostel auf und stellte fest, dass mein Rucksack ganz schön schwer war, obwohl ich extra auf ein Zelt verzichtet hatte. In Italien, so dachte ich, wird es so warm sein, dass ich beim Wildcampen bzw. Biwakieren kein Zelt brauchen werde, denn diese Art des Übernachtens war der ursprüngliche Plan gewesen. Während des Abendessens studierte ich dann meinen Wanderführer. Olivenhaine, Weinberge, Obst- und Gemüsegärten, und die Macchia, der mediterrane Buschwald, der sich an der ganze Küste entlang streckte. Klingt fantastisch! Ich schaute mir die Touren an und plante, wie ich weiter verfahren könnte bzw. welche Touren sich auch für Wildcampen anbieten würden und wie ich es organisieren könnte, dass ich dabei sowohl Einkaufsmöglichkeiten als auch „Wassertankstellen“ finden würde. Denn meinen gewohnten Lebensstil – möglichst verpackungs- und plastikfrei – wollte ich auch gerne im Urlaub einhalten. Und darum hatte ich alles mitgenommen: eine Jutetasche, ein Brotsäckchen, ein Brottuch, einen Campingtopf mit verschließbarem Deckel, der gleichzeitig als Aufbewahrungsgefäß benutzt werden konnte, einen Becher mit Deckel, Besteck, einen 4l-Wasserbeutel sowie zwei 1l-Trinkflaschen. Schnell musste ich jedoch feststellen, dass das mit dem Wandern logistisch nicht so einfach funktionieren würde. Zum einen waren manche Wanderungen teilweise mit kurzen Klettersteig-Stücken, was mit dem schweren Rucksack auf keinen Fall gelingen würde, zum anderen waren einige Touren nur mit dem PKW zu erreichen. Also machte ich bereits Abstriche. Noch im Hostel fasste ich dann zwei Wanderungen ins Auge, die für den Anfang sehr interessant klangen. Eine, die ins unmittelbare Hinterland Genuas führte, mittelschwer war und kilometermäßig gut zu bewältigen sein müsste, und eine andere, in deren Nähe sich ein Bergsee befand. Wie genial das wäre! Wandern und dann am See übernachten. Dort hätte man dann auch einen Zufluss, mit dessen Wasser man die Wasservorräte auffüllen könnte. In all der Euphorie und der Vorfreude darauf, dass das Abenteuer nun endlich losgehen würde, malte ich mir die Szenerie, das Bild, das ich im Kopf hatte, bereits aus.

Am nächsten Tag ging es dann nach Genua ins Hostel weiter, von wo aus ich am darauffolgenden Tag, Tag 3, die Tour ins Hinterland anging. Um ganz langsam ins Wanderfeeling einzusteigen und buchstäblich in die Gänge zu kommen, beschloss ich, ein paar Sachen im Hostel zu lassen und erst einmal mit weniger Gepäck loszuwandern. Das erste Highlight stand bereits vor der eigentlichen Wanderung an, denn bis zum Startpunkt der Tour fuhr man mit einer Schmalspurbahn, einer richtig alten Zugklapperkiste. Ich lauschte zum ersten Mal bewusst einem Gespräch einer italienischen Familie. Eine schöne und ohne Zweifel sehr temperamentvolle Sprache! Der Schaffner fragte mich, wohin ich fahren würde, was ich mir aus dem Kontext ableitete. Ich sagte „Pino“ und er nickte. Dann fuhr die Bahn ins Tal hinein, stets mit Blick nach Genua und aufs Meer. Wow! Nach ein paar Minuten wies er mich darauf hin, dass der nächste Halt Pino sei. Ich stieg aus und stand gefühlt im Nirgendwo. Nur rechts ein kleines Wohnhaus. Ich zückte meinen Wanderführer, las nach und nach kurzer Verwirrung begab ich mich dann auf den richtigen Weg. Uff, der Rucksack war jetzt schon ganz schön heavy. Aber ein Zurück gab es nicht. Also los. Es war ein sehr heißer und sonniger Tag, weshalb ich froh war, dass die Strecke zunächst im Wald entlang lief. Nach kurzer Zeit überquerte ich einen Bachlauf bzw. hätte ihn laut Wanderkarte eigentlich überqueren müssen, doch stattdessen war da nichts. Nur eine ausgetrocknete, schmale Furche aus Erde. Na super, Jasmin! Das hättest du dir ja denken können. Ja vielleicht sogar müssen. Sagte ich mir. Dass inmitten des Hochsommers in einem Land wie Italien die Flüsse, zumindest die kleinen Bäche, ausgetrocknet sind und somit keine „Wassertankstelle“ sein werden. Und für den Fall, dass es einen Bach geben sollte, dann wird die Wasserqualität hier garantiert zu schlecht sein, denn so hochalpin sind wir hier auch nicht. Da wäre vielleicht ein Wasserfilter gut gewesen. Diese Feststellung traf mich ganz schön. Schwarzmalen. Aus der Traum vom puren Freiheitsgefühl. Back to reality. Und zusätzlich noch die Schilder: Wildfeuer verboten. Waldbrandgefahr. Hätte ich mir auch denken können! Spontan reisen und alles auf den letzten Drücker entscheiden, ist halt doch nicht so das Wahre. Aber ein Abenteuer. Ich hakte die ersten Rückschläge ab und marschierte weiter. Die Tour wurde noch eine sehr schöne, wenn auch anstrengende, und statt Spaghetti mit Tomaten gab’s dann eben Müsliriegel und Nektarine zu Mittag.

Tour durchs Hinterland. Genua.

Auch wenn ich eigentlich noch genug hatte von der Spontaneität des Vortags, ließ ich Tag 4 wieder genauso „auf gut Glück“ beginnen. Eigentlich war das ja auch nur die faule Variante, denn Planung ist eben auch vor allem eines: Fleiß. Von meinem ursprünglichen Plan, den Bergsee zu erreichen und dort zu übernachten, war ich bereits abgekommen. Auf der gestrigen Wanderung hatte ich mich mit einem jungen Italiener unterhalten, den ich nach dem Bergsee fragte. Er meinte, er kenne den See zwar nicht, es könnte aber sein, dass dies der Stausee sei, der Genua mit Wasser versorgte. Aha. Er meinte aber auch, dass der See ganz schön weit weg sei. Auf Prüfung der im Wanderführer beschriebenen, etwas vagen Busverbindungen hin, beschloss ich dann, einfach mal zu schauen, wie weit ich kommen würde. Die richtige Bushaltestelle zu finden, stellte mich bereits vor eine Herausforderung. Ich fragte mich durch, wartete an der von mir vermutenden Haltestelle und setzte mir als Zeitlimit eine Stunde. Kein Bus kam. Also entschied ich mich für Plan B. Eine kurze, drei- bis vierstündige Etappe von Ruta bis Portofino. Ich nahm den Zug und dann den Bus. Eigentlich musste ich noch einkaufen. Wie sich herausstellte, war heute aber Feiertag! Ich schob mich gerade noch so in einen kleinen Obst- und Gemüseladen rein, der bereits am Schließen war, und erhaschte zumindest noch Pfirsich, Nektarine und ein paar Tomaten. Dennoch fehlte mir noch irgendetwas Reichhaltiges, Kohlenhydrathaltiges zum Gleichessen. Nichts zu machen. Als ich in Ruta ankam, traute ich dann meinen Augen kaum. Wie hätte es auch anders sein können – unverhofft kommt oft – war in Ruta gerade eine kleines Straßenfest in vollem Gange. Ich bestellte mir Focaccia, etwas mehr, um noch ein wenig für die Wanderung zu haben, und bekam aufgrund der langen Wartezeit sogar noch eine Focaccia mit Nuss-Nougat-Füllung oben drauf. Na, wer sagt’s denn! Viva Italia! Ich füllte noch meine zwei 1l-Flaschen und den 4l-Wasserbeutel auf, sodass das Wasser für Spaghetti kochen, Abwaschen, Zähneputzen etc. reichen würde und stapfte dann gut gestärkt los. Als ich am Nachmittag oberhalb von Portofino an den Olivenhainen vorbeilief, hielt ich inne. Vor mir, hinter ein paar Büschen, war das Meer zu sehen und von hier ging es nur noch bergab nach Portofino. Wie wäre es denn, einfach hier zu bleiben und dann morgen früh, wenn noch nichts los war, in das Schickimicki-Dörfchen hinunterzulaufen? Außerdem befand sich vor mir ein gesteintes Sträßchen mit ebenfalls gesteinter Parkausbuchtung. Hier ließe es sich gut und vor allem ungefährlich kochen, und zum Schlafen wäre es auch ideal, da der Stein noch von der Mittagshitze erwärmt sein würde. Die Gegend hier war recht abgelegen, sodass das wohl niemanden stören würde, geschweige denn, dass es überhaupt irgendwer mitbekommen würde. Ich erkundete noch etwas die Umgebung und begann dann zu kochen. Ich war nervös. Sehr nervös. Einerseits unterzog ich das Equipment gerade zum ersten Mal dem Praxistest, andererseits bekam ich unterschwellig das Gefühl nicht los, dass ich gerade eigentlich etwas Verbotenes tat. Und das war seltsam, da ich mich im Grunde an diesem Ort unglaublich wohlfühlte. Dennoch: Augen und Ohren waren wachsam, vor allem die Ohren.

Erstes Mal kochen. Wildcampen.

Ich hatte soeben fertig gekocht, die ersten gut befüllten und gedrehten Gabeln voll Spaghetti gegessen, als ich – es dämmerte bereits – das erste Mal ein Grunzen wahrnahm. Na, ganz klasse! Direkt vor mir war eine kleine Böschung, dann ein kleines Wiesenstück und dann ein Zaun, an den ein Gartenstück mit Büschen angrenzte. Und genau da kam das Grunzen her. Ich beruhigte mich zunächst selbst, da das Grunzen und mich ja der Zaun trennte. Doch als, nach einiger Zeit Pause, das Grunzen wieder anfing und plötzlich von links kam, erinnerte ich mich an das Loch im Zaun, das ich am frühen Abend bemerkt hatte und mich noch wunderte, dass es viel zu groß für Katzen und zu klein für Menschen sei. Aber klar: Genau die Größe eines Wildschweins. Ich deckte meinen Topf zu, in der Hoffnung, dass der Geruch das Schwein nicht anlocken würde, schnappte zur Sicherheit bereits meine Wertsachen (Kamera, Geldbeutel, Handy) und entfernte mich etwas von dem Platz. Ich beobachtete das Loch. Und in dem Moment tauchte dort ein graues Etwas auf. Mein Herz pochte. POCHTE! Und ich entschied, hoch Richtung Berg, Richtung finca-ähnliche Häuser zu laufen und erstmal abzuwarten. Eigentlich war der Platz dort viel besser. Direkte Sicht aufs Meer, wo die Städte unten an der Küste wie Sterne funkelten. Das hatte was und war im Grunde wildromantisch! Einziges Manko: Ich befand mich mitten auf einer Straße und links und rechts schlossen direkt Zäune an, sodass für ein Auto kein Durchkommen wäre. Das Wildschwein, so sagte ich mir, wird in der Nacht nicht nur eine Tour machen, sondern mehrere, und hier oben wird es bestimmt nicht hochkommen. Gleichzeitig dachte ich, wie idiotisch es doch war, dass ich anscheinend vor meiner eigenen Spezies, dem Menschen, mehr Angst hatte, als vor einem wilden Tier, das ich nicht einschätzen und mit dem ich nicht einmal reden konnte. Sollte nun doch ein Mensch kommen, könnte ich ja zumindest einmal das: Mit ihm reden. Also kehrte ich zurück an meinen Ursprungsplatz, schnappte meine Sachen und zog nach oben auf die Straße um, breitete meine Isomatte aus und meinen Schlafsack, aß fertig und legte mich dann hin. Eigentlich wollte ich schlafen, doch das mulmige Gefühl, dass ich da mitten auf der Straße lag, blieb. Irgendwann döste ich dann doch weg. Ich weiß nicht, wie lange ich schlief, vielleicht eine halbe Stunde oder Stunde, bevor ich von zwei grellen Scheinwerfern aus dem Schlaf gerissen wurde. Na super! Das hatte ja so kommen müssen. Ohne groß zu überlegen, lief ich auf das Auto zu. Ein Mann stieg aus, er konnte sogar englisch, und meinte, dass ich hier nicht schlafen könnte, da Autos durchfahren müssten. Ich entschuldigte mich und erklärte ihm irgendwie die Sache mit dem Wildschwein. Wir besprachen uns kurz. Dann meinte er, dass ich bestimmt bei seinem Fahrer auf dem Grundstück schlafen könnte. Ich war zwar erst skeptisch, stimmte dann aber zu, denn eine bessere Alternative hatte ich faktisch nicht. Außerdem war ich wahnsinnig müde und wollte einfach nur schlafen. Ich verbrachte die Nacht dann tatsächlich auf dem besagten Grundstück, das nur ein paar Meter entfernt lag, und war absurderweise dann genau dort, wo ich ohnehin immer einmal hinwollte: inmitten eine Olivenhains bzw. Weinbergs und das sogar bei Vollmond.

Am nächsten Morgen war ich ziemlich groggy und für mich stand fest, das Projekt Wildcampen erst einmal wieder aufs Eis zu legen. (Übrigens: Das funktioniert in Italien hervorragend, denn von dem Gelato träume ich heute noch!) Die nächsten Tage verbrachte ich dann mit kleineren Ausflügen und kurzen Intermezzi am Strand. Am 8. Tag ging ich noch einmal eine größere Wanderung durch das Gebiet der Cinque Terre an. Eine landschaftlich und perspektivisch (vom Ausblick her) wunderschöne und überwältigende Tour, wenn auch nicht ganz schwindelfrei und sehr anstrengend. Ich weiß nicht, wie viele Kilometer ich an diesem Tag aufgrund der Wegsperrungen und den damit verbundenen Umwegen tatsächlich gegangen war, vielleicht 20 oder so, aber so geschwitzt wie bei dieser Wanderung hatte ich, da war ich mich sicher, in meinem bisherigen Leben noch nicht. Als ich abends in Riomaggiore ankam, entschied ich mich gegen ein profitables und für meinen Lebensstandard luxuriöses Essen im Restaurant und stattdessen für ein Bad im Meer, was definitiv die beste Entscheidung war und zugleich die größte Belohnung. Gleichzeitig stellte diese Tour auch ein Wendepunkt meiner Reise dar, denn danach fuhr ich an die andere Küstenseite Genuas weiter, die Riviera di Ponente, genauer gesagt nach Finale Ligure.

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