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24.03.2019  Abenteuer  Philipp fuge  wandern  

Zu Fuß von Gibraltar zum Nordkap

Zelt mit Blick auf die nördlichen Ausläufer der Pyrenäen

Philipp Fuge lebt und arbeitet eigentlich in Berlin. Ich sage „eigentlich“, weil er sich von seinem Alltag für längere Zeit verabschiedet hat, um sich einem neuen Projekt zu widmen. Zu Fuß von Gibraltar zum Nordkap ist sein Plan. Unterwegs sammelt er Spenden für ein Klimaschutzprojekt, getreu dem Motto 1 km = 1 Euro = 1 Baum möchte er am Ende seiner Expedition 6500 Bäume im Senegal gepflanzt haben. Im Folgenden beschreibt euch Philipp was er bisher erlebt hat. Auch in unserem Magazin werdet ihr eine Geschichte von Philipp finden.


Philipp in Limoges

Auf einer stark befahrenen Schnellstraße an der Vienne entlang nähere ich mich Limoges. Wenn man zu Fuß in eine Großstadt hineinkommt, ist das oft nicht besonders idyllisch. Da ist meist alles für Autos gemacht, und als Fußgänger muss man sich irgendwo zwischen Straßengraben und Leitplanke herumdrücken. Aber auf meinem Weg vom südlichsten zum nördlichsten Ende Europas gehören eben auch solche Etappen dazu. Und das Wetter macht es mir leicht heute. Der Himmel ist strahlend blau und es weht kaum Wind. Limoges! Das ist schon mitten in Frankreich. Vor 76 Tagen bin ich im südspanischen Tarifa an der Straße von Gibraltar aufgebrochen und nun 1905 km später bin ich hier. Ich betrachte das Ortseingangsschild, und kann selbst nicht recht glauben, dass ich es so weit geschafft habe. Zwar liegen zwischen mir und meinem Ziel, dem Nordkap, noch 4595 km. Das ist viel! Doch gleichzeitig habe ich schon über ein Viertel der Strecke geschafft, das ist auch viel! Das mediterrane Europa liegt endgültig hinter mir. Orangenbäume, Korkeichen und Agaven sind verschwunden. Während der letzten Tage ging es durch verregneten Wald: Fichten, Kiefern, Buchen, Birken, Eichen. Genau wie ich es von zu Hause kenne. Mitteleuropa eben. Der Stadtverkehr von Limoges rauscht an mir vorbei, doch ich bin ganz weit weg. Ich muss daran denken, wie ich am 4. Januar am Strand von Tarifa die ersten Schritte gemacht habe. Am anderen Ufer konnte ich ganz deutlich Afrika erkennen. Der Himmel war genau so blau wie heute und meine Fußspuren im feuchten Sand glitzerten in der Sonne. Keine Ahnung, wie viele Schritte ich seitdem gemacht habe, aber es waren eine ganze Menge. Und jeder einzelne war zu etwas gut, denn alle zusammen haben sie mich bis hierher geführt. Ganz Spanien und ungefähr ein Drittel Frankreichs habe ich durchquert. Zunächst Andalusien. Da bin ich aus dem deutschen Winter mitten in den Sommer gefallen: T-Shirt, Sonnencreme, frisch geerntete Orangen ohne Ende, immergrüne Bäume, bunte Blumen am Wegesrand und kein einziger kahler Zweig.

Sevilla, die Hauptstadt Andalusiens, ist eine lebendige und einladende Stadt mit immergrünen Parks und einer äußerst sehenswerten Altstadt. An der prächtigen Kathedrale beginnt die Via de la Plata, die zum Jakobswegenetz gehört. Dieser Wanderweg bringt mich in die Region Extremadura, ein sehr ländlicher, dünn besiedelter Landstrich. Korkeichen so weit das Auge reicht und hin und wieder das Grunzen eines Iberischen Schweins, die hier frei zwischen den Bäumen leben. Die Dörfer sind meist klein und ärmlich. Zu Zeiten der Römer allerdings war hier mächtig was los, wovon zahlreiche Überreste Zeugnis ablegen. Römerbrücken, Römerstraßen, Aquädukte, und die Hauptstadt Merida hat sogar ein Römisches Amphitheater. Schließlich taucht ganz unverkennbar das in den hohen Lagen noch schneebedeckte Kastilische Scheidegebirge vor mir auf. Zum allerersten Mal habe ich so richtig mieses Wetter. Bei Schneeregen und frostigen Temperaturen geht’s hoch in die Berge. Auf der anderen Seite in Salamanca ist der Himmel zwar wieder klar, und tagsüber ist immer noch beinah Sommer, doch nachts im Zelt fröstele ich ganz schön vor mich hin. Kein Wunder, denn Kastilien liegt auf einer riesigen Hochebene, der Meseta, zwischen 700 und 900 Metern. Klar, dass es hier kälter ist.Tagelang flaches Ackerland bis zum Horizont. Ich glaube nirgendwo sonst auf der Welt kann man so weit gucken. Dann folgt das eher liebliche Rioja mit seinen riesigen Weinanbaugebieten, bis in Navarra die Landschaft wieder bergiger wird. Irgendwann taucht unten im Tal Pamplona auf, und dahinter erheben sich die Pyrenäen. Auf den Wegen hoch oben liegt sogar noch etwas Schnee. Die Bäume sind jetzt kahl. Mit dem andalusischen Bilderbuch-Spanien hat das nichts mehr zu tun. Zwei Tage bergauf, einen Tag bergab, und ich bin in Frankreich.



Blick auf Pamplona und die Pyrenäen

Das Land begrüßt mich zunächst sommerlich, doch schon in der zweiten Nacht ruckelt ein Sturm an meinem Zelt, so sehr dass ich kaum schlafen kann. Ab jetzt ist erstmal Aprilwetter angesagt, und das Anfang März. Schauer und Sonnenschein wechseln schneller als ich in die Regenklamotten rein- bzw. rausschlüpfen kann. Doch auch so ein Wetter hat etwas für sich: spektakulär geformte und gefärbte Wolken und viele, viele Regenbögen. Dazu reichlich ländlich-kleinstadtisches Bilderbuch-Frankreich. Auf sanften Hügeln liegen hübsch verteilt Natursteinhäuschen mit bunten Fensterläden. In den Dörfern gibt es schmale, verwinkelte Gassen und dazwischen unvermutet weite Plätze mit gemütlichen Cafés. Für meine Pausen am Weg kaufe ich Crêpes to go und Schokocroissants (naja, nicht nur), und falls mal alle Stricke reißen, stellen die meisten Orte die 24-Stunden-Versorgung mit französischen Backwaren durch mindestens einen Baguette-Automaten sicher. Heute also Limoges. Ab morgen warten noch etwa 600 km Frankreich, dann Deutschland, Dänemark, Schweden, Finnland und Norwegen auf mich. Mal sehen, wie weit mich meine Füße tragen. Mein Ziel ist es, Anfang Oktober, wahrscheinlich im Dämmerlicht des Polarherbstes, sturmumtost und mit dem ersten Schnee unter den Sohlen, hochoben auf dem Nordkapfelsen zu stehen und übers Meer in Richtung Nordpol zu gucken. Mal schauen, ob er wahr wird, dieser Traum… Schritt für Schritt…

Mehr von Philipp gibts auf seiner Webseite, dort kann man auch sein Spendenprojekt unterstützen. Außerdem hat Philipp auch einen Blog auf dem ihr noch mehr von Philipps Abenteuer lesen könnt.

>>> www.gibraltar-nordkap.com

Auch auf Instagram könnt Ihr seiner Reise folgen:

>>> www.instagram.com/fugephilipp/



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